5. ISTAF INDOOR: „Das fetzt richtig!“

Auftakt nach Maß ins Super-Leichtathletikjahr 2018! Über 12.100 Zuschauer feierten beim 5. ISTAF INDOOR in der Berliner Mercedes-Benz Arena ein wahres Leichtathletik-Spektakel. Robert Harting startete mit einem starken zweiten Platz seine Abschieds-Tournee, die am 2. September beim 77. ISTAF endet.

 

Ein großes Ausrufezeichen setzte an diesem Freitagabend Tatjana Pinto vom LC Paderborn. Die 25-Jährige gewann ihren Vorlauf deutlich und mit einer Spitzen-Zeit. 7,08 Sekunden – damit unterbot sie nicht nur die Norm für die Hallen-WM in Birmingham überaus komfortabel (7,30 Sekunden), sondern blieb auch nur eine Hundertstelsekunde über ihrer persönlichen Bestzeit. Mit dieser Zeit setzte sie sich zudem an die Weltspitze. Im Finale ging es zwar für die 25-Jährige nicht mehr ganz so schnell, für den Sieg reichte es dennoch. In 7,13 Sekunden rettete sie sich knapp vor der heranstürmenden Mujinga Kambundji (Schweiz; 7,14) und Michelle-Lee Ahye (Trinidad & Tobago; 7,16). „Die Atmosphäre war geil, das fetzt richtig. Heute war ein Weltklassefeld am Start, das hat mich gepusht“, bilanzierte Tatjana Pinto, die sich damit auch gegen ihre schnellen Nationalmannschaftskolleginnen Lisa Mayer (Sprintteam Wetzlar; 7,17) und Gina Lückenkemper (TSV Bayer 04 Leverkusen; 7,19) durchsetzte. Während Lisa Mayer ihre Bestzeit einstellte, war Gina Lückenkemper unzufrieden mit ihrem Start („Ich bin sauer auf mich selbst“), lobte aber wie viele weitere Athleten die Veranstaltung: „Das ISTAF INDOOR ist das schönste und geilste Hallen-Meeting der Welt.“

 

Bei den Männern war über die 60 Meter der Chinese Bingtian Su das Maß aller Dinge (6,55 Sekunden). Er fing damit noch Filippo Tortu ab. Der Italiener hatte die schnellste Vorlaufzeit vorgelegt. In 6,62 Sekunden stellte Tortu seine Bestzeit ein. Dritter wurde der 41 Jahre alte Altmeister Kim Collins (6,64 Sekunden), der nach fünf Starts und drei Siegen beim ISTAF INDOOR nach seinem Rennen ankündigte, „nächstes Jahr als Zuschauer“ zurückzukehren. Peter Emelieze vom ASV Köln wurde Fünfter vor Julian Reus vom LAC Erfurt (6,71).

 

Im Hürdensprint der Frauen waren alle Augen auf Cindy Roleder gerichtet. Die Europameisterin feierte nach langer Verletzungspause in Berlin ihr Comeback. Dabei zeigte sie sich stärker, als sie selbst erwartet hatte. In 7,93 Sekunden sprintete sie auf Rang drei. „So früh in der Saison hätte ich nicht mit einer Zeit unter acht Sekunden gerechnet“, zeigte sich die Athletin vom SV Halle überglücklich. „Ich muss mich erst wieder an Wettkampfluft gewöhnen. Das habe ich vermisst. Das macht den Sport aus, insbesondere hier in Berlin mit dieser tollen Kulisse.“ Zeitgleich mit ihr überquerte Pamela Dutkiewicz (TV Wattenscheid 01) die Ziellinie und wurde auf Platz zwei geführt. „Die Atmosphäre ist so toll hier“, schwärmte die WM-Dritte. „Wenn man durchs Ziel läuft, spürt man die Flammen, man spürt die Hitze. Die Musik, das Licht – das ist der Wahnsinn! So wünsche ich mir das. Die Leichtathletik ist so ein toller Sport – und dieses Meeting schafft es zu zeigen, wie viel Spaß, wie viele Emotionen und wie viel Show unser Sport bietet.“ Die Hallen-Europameisterin der Jahre 2013 und 2015, die Weißrussin Alina Talay, dominierte in 7,89 Sekunden das enge und hochklassige Finale, in dem alle sechs Hürdensprinterinnen unter acht Sekunden blieben.

 

Die 60 Meter Hürden der Männer gingen an den Hallen-Europameister, der bei seiner Premiere in Berlin brillierte und die Atmosphäre „großartig“ fand. Andrew Pozzi aus Großbritannien siegte in 7,58 Sekunden vor dem WM-Dritten Baláz Baji aus Ungarn (7,61). Dritter wurde der Franzose Aurel Manga (7,65). Als Fünfter verpasste Erik Balnuweit (TV Wattenscheid 01; 7,73) die Norm für die Hallen-WM (7,70) knapp. Zehnkämpfer Kai Kazmirek von der LG Rhein-Wied durfte sich mit den Spezialisten messen und wurde in 8,09 Sekunden Sechster.

 

Die sieben Weitspringerinnen fanden schwer in den Wettkampf, im ersten Durchgang gab es nur zwei gültige Versuche. Dann setzte sich Nadja Käther vom Hamburger SV mit 6,46 Meter an die Spitze und baute die Führung im dritten Durchgang mit einer Steigerung um zehn Zentimeter weiter aus. Diese 6,56 Meter sollte keine Athletin mehr knacken. „Ich freue mich riesig. Damit hätte ich nicht gerechnet. Das ISTAF INDOOR ist ein einmaliges Event, ich habe so etwas noch nie erlebt“, sagte die 29-Jährige, die Yariadmis Arguelles aus Kuba (6,47 m) auf Rang zwei verwies. Dritte wurde Alexandra Wester vom ASV Köln, die im Winter ihr Training komplett umgestellt hat und neue Reize setzt. „Das war mental sehr wichtig für mich“, erklärte die Deutsche Hallenmeisterin von 2016, die im selben Jahr beim ISTAF INDOOR 6,95 Meter gesprungen war.

 

Im Stabhochsprung waren der Pole Piotr Lisek und der französische Olympiasieger Renaud Lavillenie die Protagonisten in der entscheidenden Phase. Als einzige Springer nahmen sie die 5,83 m in Angriff. Während Lisek im zweiten Versuch erfolgreich war und damit eine neue Saisonbestleistung aufstellte, hob sich Lavillenie den dritten Durchgang für die 5,88 m auf. Nachdem er auch dort scheiterte, blieb ihm mit 5,70 m Rang drei. Denn zwischen Lisek und Lavillenie hatte sich noch Rio-Olympiasieger Thiago Braz da Silva geschoben. Eine blitzsaubere Serie bis 5,70 m reichten dem Brasilianer. Lisek wiederholte damit seinen Vorjahressieg und bilanzierte: „Ich liebe es, hierher zu kommen. Die Stimmung ist einzigartig“. Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken steigerte als Vierter seine beste Marke im Jahr 2018 auf 5,60 Meter.

 

Traditionell bildete der Diskuswurf den Abschluss des ISTAF INDOOR, und dieses Mal war es ein besonders emotionaler Wettkampf. Der Berliner Olympiasieger Robert Harting „erfand“ vor fünf Jahren den INDOOR-Diskuswettbewerb, am Freitag war er ein letztes Mal am Start. Beinahe hätte es zum Happyend gereicht. Nachdem der Wattenscheider Daniel Jasinski von seinem ersten Versuch (61,86 m) bis in den sechsten Durchgang hinein geführt hatte, setzte sich der bis dato drittplatzierte Harting an die Spitze des Feldes – mit 62,32 m. Nach 2016 sah es damit wieder nach einem Sieg für den Lokalmatadoren aus. Doch einer hatte noch etwas dagegen. Bei seinem zweiten Start in der Mercedes-Benz Arena steigerte sich Lukas Weißhaidinger im letzten Versuch um drei Meter auf 63,91 m. „Ich hätte nicht damit gerechnet, das ISTAF INDOOR einmal zu gewinnen“, jubelte der Österreicher. „Die Atmosphäre war unglaublich. 2009 habe ich Robert vom Sofa aus zugeschaut, er hat mich schon immer begeistert. Heute habe ich ihn geschlagen, unfassbar.“ Robert Harting zeigte sich „überrascht, dass Lukas Weißhaidinger schon 2009 meinen WM-Sieg auf der Couch verfolgt hat. Ich fühle mich gar nicht so alt. Ich freue mich, wenn Sportler mich als Vorbild nehmen. Das war heute wieder ein perfektes ISTAF INDOOR“.