Männer, 60 Meter: Deutsche Asse fordern den Hallenweltmeister
Die Hallensaison biegt mit dem ISTAF INDOOR in Berlin auf ihre Zielgerade ein. Zwei Wochen später steht mit den Hallen-Weltmeisterschaften in Torun (Polen; 20. bis 22. März) das Winter-Highlight der globalen Leichtathletik auf dem Programm. Höchste Zeit also, um in Berlin die Top-Form abzurufen. Besonders spektakulär sind unterm Hallendach traditionell die 60 Meter. Der kleinste Fehler kann den Sieg kosten.
Einer der besten Hallensprinter der vergangenen Jahre ist Jeremiah Azu. Der Brite gewann 2025 Gold bei Hallen-WM und Hallen-EM. Auch in diesem Jahr ist er in Top-Form. Mit 6,53 Sekunden gewann er das ISTAF INDOOR Ende Januar in Düsseldorf. Vor acht Wochen fehlte dort noch ein Top-Sprinter: Owen Ansah. Der Hamburger schnappte sich trotz nicht optimalem Start – aber ganz starkem fliegenden Bereich – am Samstag mit 6,55 Sekunden den Hallen-DM-Titel in Dortmund. Er ist also in Top-Form und kann in einem optimalen Lauf auf der schnellen blauen ISTAF-Bahn sogar in die Nähe des Deutschen Hallenrekords von 6,52 Sekunden kommen.
Den hält – zusammen mit Julian Reus – Kevin Kranz (Sprintteam Wetzlar). Der Deutsche Hallen-Vizemeister lag in Dortmund mit 6,56 Sekunden nur wenige Zentimeter hinter Owen Ansah. Natürlich fehlt der Hesse in der Uber Arena genauso wenig wie Yannick Wolf (Munich Athletics), der mit 6,58 Sekunden als Vierter erstmals unter 6,60 Sekunden blieb. Auch der Vorjahresaufsteiger Heiko Gussmann (Sprintteam Wetzlar) will die Favoriten erneut ärgern. Das gilt auch für Emmanuel Eseme. Der Kameruner lieferte in dieser Hallensaison bereits 6,53 Sekunden ab. Toluwabori Akinola ist ebenfalls in Top-Form. Der Ire steigerte zuletzt den Landesrekord auf beachtliche 6,54 Sekunden.
Männer, 60 Meter Hürden: Seriensieger Jakub Szymanski vor nächstem Coup
Dieser Kerl kennt nur einen Platz: den ersten. Bei allen Starts war Jakub Szymanski in diesem Winter schneller im Ziel als die Hürdensprint-Konkurrenz. Ein Beleg der läuferischen wie
technischen Extraklasse des Polen. Seinen eigenen Landesrekord verpasste der 23-Jährige bei den polnischen Hallenmeisterschaften am Wochenende mit 7,40 Sekunden nur um eine Hundertstelsekunde. Vier weitere Male blieb der Halleneuropameister in diesem Winter unter 7,50 Sekunden. Damit ist er erster Anwärter auf den prestigeträchtigen Sieg beim ISTAF INDOOR.
Eine schnelle Zeit – und damit eine Top-Platzierung – peilt auch Damian Czykier an. Der polnische Routinier ist immer für Zeiten um 7,50 Sekunden gut. Kommen die Konkurrenten wie sein Landsmann Jakub Szymanski und der schnelle Spanier Asier Martinez nicht sauber durch den Hürdenwald, könnte der 33-Jährige zur Stelle sein. Aus deutscher Sicht ist Stefan Volzer im Rennen. Der Leverkusener hat sich in diesem Winter auf 7,75 Sekunden gesteigert und liefert konstante Zeiten ab. Weitere Steigerung in Berlin? Nicht ausgeschlossen!
Männer, Stabhochsprung: letzte Ausfahrt Torun für deutsche Höhenjäger
Die Entscheidung verspricht Spannung pur: Denn das Feld der acht Stabhochspringer ist extrem ausgeglichen. In dieser Konstellation könnten sich die Höhenjäger bei der tollen Stimmung in der Uber Arena schnell nach oben schaukeln. Mittendrin ist ein DLV-Duo, das sich mit der ihrer finalen Chance beim ISTAF INDOOR für die Hallen-WM in Torun Polen (20.-22. März) empfehlen möchte. Aktuell liegen Torben Blech (TSV Bayer 04 Leverkusen) und der Deutsche Hallenmeister Bo Kanda Lita Baehre (Düsseldorf Athletics) beim „Race to Torun“ mit einer Saisonbestleistung von 5,70 Metern auf den Plätzen 14 und 15. Die Top 12 qualifizieren sich für die Hallen-WM. Um sich entscheidend nach vorn zu schieben, müssten sie wohl mindestens 5,78 Meter überspringen. Das ist mit der Unterstützung der Berliner Fans auf jeden Fall möglich.
Den letzten WM-Qualifikationsplatz hat mit 5,76 Metern aktuell David Holy inne. Der Tscheche ist ebenso beim ISTAF INDOOR dabei wie Halleneuropameister Menno Vloon (Niederlande) und Sechs-Meter-Springer Ernest Obiena (Philippinen), die mit 5,77 Metern direkt vor ihm liegen. In starker Form präsentierte sich zuletzt Simen Guttormsen. Der Norweger steigerte sich vor zwei Wochen in Torun auf 5,80 Meter. Der 25-Jährige möchte nur zu gern den Abstand zu seinem anderthalb Jahre älteren Bruder Sondre schließen. Der hat bereits die Sechs-Meter-Marke übersprungen und als Sieger der World-Indoor-Tour einen Startplatz für die Hallen-WM fix gebucht.
Frauen, 60 Meter: Lokalmatadorin Philina Schwartz sprintet um den Sieg
Die neue deutsche Sprint-Generation hat sich in dieser Hallensaison mit schnellen Zeiten angemeldet. Allen voran Philina Schwartz (Berlin Athletics). Mit gerade einmal 19 Jahren gewann sie bei der Hallen-DM in Dortmund mit 7,18 Sekunden die 60 Meter, im Halbfinale war sie sogar noch zwei Hundertstel schneller. Besonders ihre Konstanz beeindruckt: Gleich sechsmal (!) steigerte sie in diesem Winter ihre Bestzeit auf nun 7,16 Sekunden und unterbot viermal die Hallen-WM-Norm. Vielleicht können die Fans in der Uber Arena ja einen waschechten Heimsieg bejubeln?
Während Philina Schwartz ihre Bestzeit aus dem Vorjahr um 20 Hundertstelsekunden steigern konnte, legte auch Sina Kammerschmitt (MTG Mannheim) einen riesigen Leistungssprung hin. Die 22-Jährige steigerte sich von 7,39 auf 7,21 Sekunden. Nur eine Hundertstel fehlte ihr als Hallen-DM-Zweite zur WM-Norm. Vielleicht kann sie ja den letzten Schritt nach Torun in der Uber Arena machen? Bei aller Jugend auf der Bahn fehlen auch die erfahrenen Athletinnen nicht in Berlin: Mit Sophia Junk (LG Rhein-Wied) und Sina Mayer (LAZ Zweibrücken) sind zwei Sprinterinnen aus der Bronze-Staffel der WM in Tokio dabei.
Natürlich ist in der Uber Arena auch die internationale Konkurrenz vertreten. So hat sich die Niederländerin Minke Bisschops mit 7,10 Sekunden in der Weltspitze angemeldet. Vergangenes Wochenende war sie bei den nationalen Meisterschaften mit 7,17 Sekunden fast exakt so schnell wie Philina Schwartz parallel in Dortmund. Hoffnungen auf den Sieg macht sich auch Maia McCoy. Die US-Amerikanerin steigerte sich zuletzt ebenfalls auf 7,17 Sekunden. Wertvolle Erfahrungen möchte ein Berliner-Top-Talent auf der schnellen blauen Bahn sammeln. Delisha Benelisa Domingos (TuS Lichterfelde) ist mit 16 Jahren die mit Abstand jüngste Athletin im Feld und kann ihr Talent auf großer Bühne zeigen.
Frauen, 60 Meter Hürden: Triell auf höchstem Niveau
Dieses Finale verspricht Spannung pur: Denn mit 100-Meter-Hürden-Weltmeisterin Ditaji Kambundji (Schweiz), Pia Skrzyszowska (Polen) und Nadine Visser (Niederlande) sind drei absolute Weltklasse-Hürdensprinterinnen in Berlin am Start. Das Trio verbindet noch etwas: Alle drei liefen in diesem Winter 7,78 Sekunden und liegen damit gemeinsam auf Platz zwei der Weltjahresbestenliste. Zum Vergleich: Der mittlerweile zwölf Jahre alte Meeting-Rekord von Sally Pearson (Australien) beim ISTAF INDOOR liegt (noch) bei 7,79 Sekunden.
Im Windschatten des Top-Trios möchten die zuletzt stark verbesserten deutschen Hürdensprinterinnen schnelle Zeiten abliefern. Allen voran Marlene Meier (TSV Bayer 04 Leverkusen). Am Sonntag stürmte sie bei der Hallen-DM in Dortmund zum Titel und stellte mit 7,92 Sekunden ihre Bestzeit – erzielt natürlich beim ISTAF INDOOR in Berlin – ein. Kann die Deutsche Hallenmeisterin ein ähnlich starkes Rennen abliefern wie in Dortmund, wäre das auch ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk. Denn am Samstag – wenige Stunden nach dem Finale in der Uber Arena – feiert Marlene Meier ihren 24. Geburtstag.
Unter acht Sekunden sind in diesem Jahr auch Ricarda Lobe (MTG Mannheim; 7,95 sec), die nach neun Jahren ihre Bestzeit steigern konnte, und Rosina Schneider (SV Sulz; 7,99 sec) geblieben. Sie können sich mit einem starken Rennen in Berlin final für den Hallen-WM-Start neben Marlene Meier empfehlen. Mit neuer Bestzeit von 8,03 Sekunden kratzte bei der Hallen-DM auch Franziska Schuster (TSV Bayer 04 Leverkusen) an der Acht-Sekunden-Marke.
Frauen, Weitsprung: Malaika Mihambo trifft auf starke Konkurrenz
Wenn es beim ISTAF INDOOR in Berlin um weite Sprünge geht, ist mit Malaika Mihambo zu rechnen. Schon fünfmal war die Tokio-Olympiasiegerin bei dem prestigeträchtigen Meeting bisher nicht zu schlagen. Auch ihre Bestleistung von 7,07 Metern stellte sie in der Uber Arena auf. Doch kampflos wird die Konkurrenz ihr nicht den sechsten Sieg überlassen. Von der Saisonbestleistung gesehen, ist die Ausnahmeathletin diesmal in der Rolle der Jägerin, nicht der Gejagten.
Denn gleich einige Springerinnen sind am Freitag dabei, die in diese Hallensaison (zum Teil) deutlich weiter gesprungen sind als Malaika Mihambo (6,57 m). Angefangen bei der Hamburgerin Libby Buder (TSG Bergedorf) mit 6,58 Metern, die hinter der zweifachen Weltmeisterin am vergangenen Sonntag Silber bei der Hallen-DM in Dortmund gewann.
Aufsteigende Form bewiesen am vergangenen Wochenende drei Landesmeisterinnen: Pauline Hondema (Niederlande; 6,63 m), Annik Kälin (Schweiz; 6,69 m), die außerdem über 60 Meter Hürden mit 7,93 Sekunden als Zweite überzeugte, und die für den VfB Stuttgart startende Rumänin Alina Rotaru-Kottmann (6,70 m) waren bei ihren nationalen Meisterschaften nicht zu schlagen. Es könnte also ganz eng werden bei der Entscheidung um den Sieg. Aber eins ist schon seit Jahren klar: Ein Weitsprung-Wettkampf ist erst vorbei, wenn Malaika Mihambo fertig ist!
Frauen, Kugelstoßen: Olympiasiegerin gegen Weltmeisterin – wer wird „Herrin des Rings“?
In bärenstarker Form kommt Yemisi Ogunleye (MTG Mannheim) zum ISTAF INDOOR. Die Olympiasiegerin und Deutsche Hallenmeisterin beförderte ihr Arbeitsgerät am Freitagabend in Dortmund auf 20,37 Meter und damit zu einer neuen Bestleistung. Damit könnte es ein Duell auf Weltklasseniveau geben. Denn in Berlin wird sie von der Weltmeisterin und Nummer eins der Hallensaison gefordert: Jessica Schilder. Die Niederländerin führt mit 20,49 Metern die Weltjahresbestenliste an.
Die Weltmeisterin musste sich im Fernduell am Wochenende ihrer deutschen Konkurrentin geschlagen geben. Denn Jessica Schilder kam bei den niederländischen Meisterschaften „nur“ auf 19,73 Meter. Allerdings belegen bereits drei 20-Meter-Stöße in diesem Winter ihre Extraklasse. Im direkten Duell der beiden steht es übrigens 16:7 für die Niederländerin. Erstmals trafen die zwei bei der U20-EM 2017 aufeinander und belegten die Plätze fünf und sechs. Neun Jahre später stoßen sie einige Meter weiter, sind vom Leistungsniveau aber immer noch sehr dicht beieinander. Damit ist alles angerichtet für eine spannende Entscheidung um die Frage, wer „Herrin des Rings“ ist. Der Meetingrekord wackelt auf jeden Fall gewaltig. Den hält Yemisi Ogunleye (noch) mit 19,42 Metern.
Neben den Nummern eins (Schilder) und drei (Ogunleye) der Weltjahresbestenliste treten weitere Elite-Kugelstoßerinnen in Berlin in den Ring. Genauer gesagt die Nummern acht bis elf der Welt sowie die zuletzt auf 19,45 Meter verbesserte Schwedin Fanny Roos (19,45 m). Die Nummer zehn der Welt ist aktuell Katharina Maisch (LV 90 Erzgebirge). Nach ihrer Steigerung auf 19,02 Meter möchte die Deutsche Hallenvizemeisterin vor großer Kulisse in Berlin nur zu gern den zweiten 19-Meter-Stoß ihrer Karriere unterm Hallendach hinlegen.
Männer, 60 Meter Para-Sprint: Gelingt Jonnie Peacock der nächste Coup?
Traditionell bietet das ISTAF INDOOR den besten Para-Sprintern der Welt eine große Bühne. Das war auch schon Ende Januar in Düsseldorf so, als „Altmeister“ Jonnie Peacock der jüngeren Generation die Show stahl. Der Brite – Paralympicssieger 2012 und 2016 – zog am favorisierten Paris-Paralympicssieger Sherman Guity Guity (Costa Rica) vorbei und schnappte sich den Sieg. Nun treffen in Berlin wieder die Top-Sprinter der Startklasse T62/T64 aufeinander. Der Niederländer Olivier Hendriks, Paralympics-Zweiter über 400 Meter, war bereits 2025 als Zweiter ganz dicht dran am ISTAF INDOOR-Sieg in Düsseldorf. Vielleicht gelingt ihm ja dieses Mal die Sensation in Berlin? Natürlich fehlen auch die deutschen Farben nicht: Nach der verletzungsbedingten Absage von Johannes Floors (Bayer 04 Leverkusen) will Nick Weihs (Hamburger SV).














